Meningokokken-Erkrankungen

Impfpräventabel: Ja

Meningokokken, invasive Erkrankungen
Meningokokken sind bekapselte, gramnegative Bakterien (Diplokokken), die sich bei etwa 10 % der Bevölkerung im Nasen-Rachen-Raum vorkommen ohne klinische Symptome zu verursachen. Eine Infektion mit Neisseria meningitidis kann aber auch zu schweren Invasiven Meningokokken-Erkrankungen führen, wenn die Bakterien in sonst sterile Körperflüssigkeiten eindringen wie z. B. Blut oder Liquor. Aufgrund der Zusammensetzung der Kapselpolysaccharide werden insgesamt 12 Serogruppen unterschieden (A, B, C, E, H, I, K, L, W, X, Y, Z), invasive Erkrankungen verursachen in den meisten Fällen die Serogruppen A, B, C, W und Y.
Invasive Meningokokken-Erkrankungen treten weltweit auf. Große Epidemien, bedingt durch Meningokokken der Serogruppe A, aber auch C, W und X, traten in den vergangenen Jahrzehnten überwiegend im Meningitisgürtel der Subsaharazone und in Asien auf. In Industrieländern treten invasive Meningokokken-Erkrankungen in der Regel nur vereinzelt auf und werden meist durch die Serogruppen B und C verursacht, in den USA in steigender Anzahl auch durch die Serogruppe Y.
In Deutschland werden ca. 60 % der Meningokokken Erkrankungen durch Erreger der Serogruppe B, seltener der Serogruppen C, W und Y (jeweils ca. 10 bis 15 %) verursacht. Invasive Meningokokken-Erkrankung sind am häufigsten im 1. und 2. Lebensjahr und bei 15- bis 19-jährigen Jugendlichen.
Der einzige Wirt von Neisseria meningitidis ist der Mensch. Die Infektion erfolgt bei einem engen Kontakt durch Übertragung der Erreger mit oropharyngealen Sekreten. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 3 bis 4 Tage (2 - 10 Tage). Bei invasiven Meningokokken-Infektionen kommt oft nach einem kurzen Prodromalstadium mit unspezifischen Beschwerden im Nasen-Rachen-Raum zu plötzlich auftretenden Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Schwindel und schwerstem Krankheitsgefühl. Innerhalb weniger Stunden kann sich ein lebensbedrohlicher Zustand entwickeln. In ca. zwei Drittel der Fälle kommt es zu Meningitis begleitet von Erbrechen und Nackensteifigkeit. In ca. einem Drittel der Fälle ist der Verlauf durch eine Sepsis gekennzeichnet, die bei 10 bis 15 % der Erkrankungen zum septischen Schock (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom) führt. Dies geht mit Einblutungen in die Nebennieren einher und ist durch eine sehr hohe Letalität gekennzeichnet. Bei septischen Verläufen kommt es zum Blutdruckabfall, zur disseminierten intravasalen Koagulopathie und zum Organversagen.
Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome oft weniger charakteristisch ausgeprägt. Die Nackensteifigkeit kann fehlen. Fieber, Erbrechen, Reizbarkeit, Schläfrigkeit, Krämpfe, Aufschreien sowie eine vorgewölbte Fontanelle können auftreten.
Bei 10 bis 20 % aller Betroffenen kommt es zu Komplikationen. Nach einer Meningitis kann es zu Hirnnervenlähmungen, Hemiplegie, Krampfanfällen, Hydrozephalus, Einschränkungen des Intellekts, Taubheit kommen. Nach septischen Verlaufsformen können Nekrosen der Gliedmaßen sogar eine Amputation erforderlich machen. Bei einer isolierten Meningokokken-Meningitis liegt die Letalität in Deutschland bei ca. 1 %, bei einer Sepsis bei ca. 13 % und bei Sepsis mit Waterhouse-Friderichsen-Syndrom bei ca. 33 %.

Europa: Meningokokken Typ B, C und W135 zunehmend Y, in Russland auch Typ A
Afrika: in Nordafrika vor allem Meningokokken Typ B, vereinzelt auch C und W135; in Zentralafrika sind Infektionen mit Meningokokken Typ A stark zurückgegangen, vorherrschend sind Typ C und W135; in Südafrika sind Typ B und W135 die häufigsten Erreger, vereinzelt Y.
Arabische Halbinsel: vor allem Meningokokken Typ B, C und W 135.
Nordamerika: Meningokokken Typ B, C, Y, vereinzelt auch W135.
Mittelamerika: Meningokokken Typ B, C und gelegentlich W 135.
Südamerika: Meningokokken B, C sowie W 135.
Asien: fast ausschließlich Typ A und C, in Südostasien vor allem Typ B, C, W 135 und gelegentlich A.
Australien und Ozeanien: Meningokokken Typ B, C und gelegentlich W 135.

Name: Menveo

  • Hersteller: GSK (GlaxoSmithKline)
  • Impfstoff gegen: Meningokokken-Erkrankungen
  • Typ: Konjugatimpfstoff
  • Ab: 2 Jahre
  • Bis: ohne Altersgrenze
  • Dosierung:

    Kinder (ab 2 Jahren), Jugendliche und Erwachsene: 1 mal 0,5 ml i. m.
    Ältere Personen: Es liegen nur begrenzte Daten für die Altersgruppe von 56 - 65 Jahren bzw. keine Daten für Personen 65 Jahre vor.

    Auffrischimpfung: entsprechend den nationalen Empfehlungen

Name: Nimenrix

  • Hersteller: Pfizer
  • Impfstoff gegen: Meningokokken-Erkrankungen
  • Typ: Konjugatimpfstoff
  • Ab: 6 Wochen
  • Bis: ohne Altersgrenze
  • Dosierung:

    Grundimmunisierung:
    Säuglinge im Alter von 6 Wochen bis unter 6 Monaten: 2 mal 0,5 ml i. m. im Abstand von 2 Monaten;
    Säuglinge ab einem Alter von 6 Monaten, Kinder, Jugendliche und Erwachsene: 1 mal 0,5 ml;
    Auffrischimpfung:
    Nach Abschluss der Grundimmunisierung bei Säuglingen im Alter von 6 Wochen bis unter 12 Monaten: 1 mal 0,5 ml im Alter von 12 Monaten mit mindestens 2 Monaten Abstand nach der letzten Impfung mit Nimenrix.
    Bei zuvor geimpften Personen ab einem Alter von 12 Monaten kann Nimenrix als Auffrischimpfung gegeben werden diese zuvor eine Grundimmunisierung mit einem Konjugat- oder einfachen Polysaccharid-Meningokokken-Impfstoff erhalten haben.

Zielgruppe: Entwicklungs- bzw. Katastrophenhelfer / med. Personal bei Langzeitaufenthalt

Impfung gegen Meningokokken der Serotypen A, C, W und Y, und MenB; WHO- und Länderhinweise beachten!

Zielgruppe: Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz

Impfung gegen Meningokokken der Serotypen A, C, W und Y, und MenB

Zielgruppe: Säuglinge, Kinder und Jugendliche

(Quelle DTG 2020) Bei Säuglingen und Kleinkindern sollte vor einer Auslandsreise die Standardimpfung gegen Meningokokken der Gruppe C durch einen tetravalenten Impfstoff (ACWY) in der altersentsprechenden Dosierung ersetzt werden.
Kinder und Jugendliche, die noch keine Meningokokken-C-Impfung bekommen haben und aufgrund z. B. einer Reise eine ACWY-Impfung erhalten, ist keine weitere Meningokokken-C-Impfung erforderlich.

Zielgruppe: Schüler und Studierende (Langzeitaufenthalt)

(Quelle DTG 2020) Die tetravalente Meningokokkenimpfung (A,C,W,Y) sollte entsprechend den Empfehlungen der Zielländer und der Schulen Schüler/Studierenden vor Langzeitaufenthalten mit empfohlener allgemeiner Impfung für Jugendliche, bei voraussichtlicher Unterbringung in Wohnheimen oder bei Impferfordernissen der Einrichtungen geimpft werden.